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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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10. Dezember 2017

Die zu billig verkaufte Vernunft

Wahrlich, die Menschen wurden erhellt
und könnten über Kontinente hinweg Rat halten,
wenn sie Rat nur gebrauchen könnten,
und nicht bloß Scheine,
gegen welche sie ihr Leben einlösen.

Da sie nun aber einmal an den Scheinen hängen,
hören sie die Stimmen derjenigen
noch seltener als in den dunkelsten Zeiten zuvor,
welche die Gültigkeit ihrer Scheine gefährden.

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9. Dezember 2017

Einordnung der Gefühle der sieben Feuer des Gerichts

Ich habe im Beitrag Die sieben Feuer des Gerichts eine ganze Reihe von Gefühlen vorgestellt, welche ich sinnvollerweise in die entwickelte Gefühlseinteilung des vorigen Beitrags einordnen sollte.

Beginnen wir vielleicht mit der Feststellung, daß Beschlossenheit da nur als Schicksalskommentar steht und kein Gefühl darstellt.

Gefühle der Beurteilung.

Gefühle der außerzeitlichen Vergegenwärtigung: Schmach, Stolz (im weiteren Sinne). Im engeren Sinne:
  • Trost,
  • Schuld,
  • Unwert,
  • Verstoßenheit,
  • Stolz,
  • Freude,
  • Genugtuung.
Gefühle der ideellen Beurteilung: Haß, Liebe (im weiteren Sinn). Im engeren Sinne:
  • Erschaudern (des Gewissens),
  • Selbstwertgefühl,
  • Statusangst (beziehungsweise Statusliebe),
  • Erhabenheit (die Zweckmäßigkeit der Welt),
  • Verzweiflung (die Inadäquatheit der Existenz),
  • Ehrfurcht (die Genügendheit eines Aspekts).
Bestürztheiten.

Beklommenheiten.
  • Bescheidung,
  • Buße,
  • Enthebung.
Besessenheiten.
  • Gehorsam,
  • Auslieferung.
Betretenheiten.
  • Selbständigkeit,
  • Unterwerfung, insbesondere
  • Wut.
Stimmungen.

Stimmungen der Leere.
  • Langeweile,
  • Niedergedrücktheit,
  • Hilflosigkeit.
Stimmungen des Verlusts.
  • Trauer,
  • Reue,
  • Schicksalsmahnung,
  • Lebenstrauer.
Stimmungen der Gehindertheit.
  • Gekränktheit,
  • Albernheit,
  • Trotzigkeit.
Stimmungen der unzufriedenstellenden Entwicklung.
  • Verworfenheit, schwächer
  • Sorge,
  • Albdruck, schwächer
  • Abgehängtheit,
  • Schwäche, schwächer
  • Gewurmtheit.
Stimmungen der zufriedenstellenden Entwicklung.
  • Geduldetheit,
  • Ermattung (im Sinne von Gesetztheit)
  • Stärke.
Stimmungen der zufriedenstellenden Würdigkeit.
  • Ergebenheit,
  • Achtung,
  • Verwurzeltheit.
Stimmungen der zufriedenstellenden Gewachsenheit.
  • Behaglichkeit,
  • Fröhlichkeit,
  • Zärtlichkeit. 
Bemerkung. Meine im Beitrag Seelische Schmerzen und Wege ihrer Auflösung vorgenommene Analyse ist im Großen und Ganzen gut, aber es sind halt nicht alles Stimmungen, und der Trauerkomplex ist sogar ziemlich unzutreffend klassifiziert worden, denn weder Trost, noch Bescheidung ist eine Stimmung. Die Bescheidung gehört dort unter die Verpflichtungen, und der Trost unter das eh irrige Gefallen/Mißfallen.

Eine gewisse Vollständigkeit liegt wohl schon vor, andererseits fehlt beispielsweise bereits der Zorn als ein ungerechtigkeits- und damit ärgerverbundener Spezialfall des Hasses, welcher als Beurteilung der Wut zugrundeliegt.

Immerhin stellte es aber kein Problem dar, den sehr subtilen und ziemlich ambitionierten Beitrag unter die gegenwärtige Gefühlseinteilung zu bringen, was deren Richtigkeit nahelegt. Und auch der ursprüngliche Beitrag ist durch die vorgenommenen Korrekturen klarer und überzeugender geworden.

Ich habe keine Ahnung, wie weit und wie fein sich die Gesamtheit der Gefühle verästeln ließe, aber, um die Wahrheit zu sagen, so sehr ich den Reiz der Schönheit des Klaren auch schätze, ich mag für mein Leben bereits genug davon gehabt haben. Und daß ich wohl gerade im Bereich der Psychomotorik noch vieles klären könnte, heißt doch nicht unbedingt, daß ich es auch tun werde, denn schon die heutige und gestrige Klarstellung habe ich lediglich aus äußerem Anstoß heraus begonnen, und da ich nicht wirklich an diese Sphäre glaube, werde ich wohl auch nicht wirklich in sie eintreten.

Ich tue nichts, Gott tut alles. Daß alles bekommt, was es verdient, ist ein Versprechen und eine Drohung zugleich und unverbrüchlich. Der Bogen ist lang, und die Menschen werden ihre Aufgaben erst verstehen, wenn sie seine Gestalt erfassen. Und unschuldig sind sie ja nicht mehr. (Daß sie darauf verzichten könnten.)

Ich werde mich wohl irgendwann von dannen schleichen, das heißt von diesen Seiten. Und ewig ruft die Pflicht, aber vielleicht eine andere Pflicht, vielleicht gar eine taub und blinde.

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8. Dezember 2017

Zur Ordnung der Gefühle

Mein Verständnis der Gefühle ist rhapsodisch gewachsen, mein erster Ordnungsversuch im Beitrag Gefühle an der Sorge gescheitert, und außerdem überging ich dort die beurteilenden Gefühle.

So, wie es jetzt steht, den letzten Stand stellt der Beitrag Die Betroffenheiten und Beurteilungen der vier Bewußtseinsbereiche dar, steht es im Großen und Ganzen geordnet, allerdings im Gebiet der Betroffenheiten der Sorge nur mit einer gewissen Verrenkung geordnet, welche alles mögliche unter den Titel der Einsicht bringt, und in jedem Falle keineswegs klar und präzis.

Weiterführend auf dem Gebiet der Betroffenheiten der Sorge ist der Beitrag Geisteszustandserfassungen.

Wenn man diesen Beitrag genau liest, steigt ein Verdacht in einem auf, was die natürliche Ordnung der Gefühle wohl sei, aber anstatt ihn auszusprechen, betrachten wir lieber die Gefühle der Achtung, da sie so schön wenige und klar umgrenzte sind, und fragen uns, was genau sie von einander unterscheidet.

Wir haben dort drei Gruppen.

Betroffenheiten.

Ahnungen. Neugierde, Kühnheit.
Mahnungen. Ärger, Schrecken, Angst.

Beurteilungen.

Eifer, Verdruß, Gunst, Ungunst, Zuverlässigkeit, Unzuverlässigkeit.

Offenbar stehen die Beurteilungen in einem Verhältnis zu den Ahnungen, aber in welchem?

Nun, ich hoffe, daß wir uns alle darin einig sind, daß es sich dabei um das Verhältnis der Wahrnehmung zu der auf ihr basierenden Tat handelt, wir beurteilen die Lage und entscheiden uns zu einer Tat, während derer Ausführung uns das Urteil gefühlsmäßig als Ahnung begleitet.

Entscheiden wir uns hingegen nicht, so wirkt das Urteil als Mahnung fort und stellt unseren Willen dar, unsere gegenwärtige Lage zu verlassen.

Mit anderen Worten sollte die Unterteilung unseres Ichs in Wahrnehmung, Tat und Willen zur weiteren Unterteilung der Gefühle der Lust, Achtung und Sorge dienen, beziehungsweise auch umgekehrt: die Gefühle sind in eine quadratische, neungliedrige Tafel einzutragen.

Drei dieser Felder haben wir bereits ausgefüllt. Betrachten wir als nächstes die Sorge.

Betroffenheiten.

Bestürztheiten. Betretenheit, Besessenheit, Beklommenheit, Ungebundenheit.
Stimmungen. Zufriedenheit, Unzufriedenheit.

Einsicht ist eine spezielle Zufriedenheit, wahrscheinlich die einzige bewußte. Unzufriedenheiten sind etwa Vergessenheit, Sorge und Niedergeschlagenheit, wobei
  • Vergessenheit darin besteht, sich ein Verhältnis nicht vergegenwärtigen zu können, beziehungsweise lediglich den Eindruck eines Begriffes wahrzunehmen, ohne seinen Namen und was man gewöhnlich zu ihm assoziiert,
  • Sorge darin besteht, die Angemessenheit einer Haltung für die Bewältigung einer Aufgabe in Zweifel zu ziehen und
  • Niedergeschlagenheit darin besteht (wie in eigenen Beiträgen zur Depression auch schon mehrfach beschrieben), den Sinn seines Lebens außerhalb der Ethik zu suchen: Aussichtslos ist dies, aber nur diese spezielle Aussichtslosigkeit führt zur Niedergeschlagenheit.
Es ist ausgesprochen schwierig, einen Überblick über die Zufrieden- und Unzufriedenheiten zu gewinnen, da die Arten und Weisen, in welchen unsere Haltung inadäquat sein mag, also unsere regelbasierte Selbstdressur, schwer zu überschauen sind. Die Bestürztheiten sind indessen vollständig und hinreichend detailliert angegeben, wie aus den diesbezüglichen Beiträgen hervorgeht.

Beurteilungen.

Glück, Unglück, Wertschätzung, Zuwiderheit, Liebe, Haß, Stolz, Schmach.

Die im Beitrag Von den beurteilenden Gefühlen vorgenommene Subsumption dieser Gefühle unter Zufrieden- und Unzufriedenheit ist falsch, wobei freilich der bereits im Bereich der Achtung beobachtete Zusammenhang besteht: entschließen wir uns zur Tat, spiegeln sich unsere Beurteilungen in den Bestürztheiten, doch wenn wir uns nicht entschließen, so spiegeln sie sich in unserer Stimmung, welche eine weitere Erfahrung mit unserer Haltung abgleicht.

Eine weitere, bei diesen Worten sofort in den Sinn kommende Unzufriedenheit ist die Gewurmtheit, wobei
  • Gewurmtheit darin besteht, die Notwendigkeit der Änderung der eigenen Haltung aufgrund einer speziellen Erfahrung anzuerkennen.
Bleibt der Bereich der Lust.

Hier haben wir bisher vier Gruppen, und entsprechend müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie daraus drei werden.

Fragen wir uns dazu zunächst einmal, wie wir die Betroffenheiten allgemein in zwei teilen können. Einmal haben wir ja die aktiven Betroffenheiten und zum anderen die willensmäßigen. Ich behaupte, daß es sich bei den willensmäßigen, konkret Ärger, Schrecken, Angst und (Un-)Zufriedenheit, um Bedürfnisse handelt, welche sich auf diese Weise ausdrücken, nämlich konkret um das Bedürfnis nach Gleichbehandlung, Geistesgegenwart, Vorbereitung oder Verkörperung.

Und bei den Betroffenheiten der Aktion, aktive Betroffenheiten hört sich etwas irreführend an, also konkret Neugierde, Kühnheit, Betretenheit, Besessenheit, Beklommenheit und Ungebundenheit, handelt es sich Einlassungen (auf irgendwelche Abenteuer).

Was also sind die Beurteilungen, Bedürfnisse und Einlassungen der Lust?

Beurteilungen. Erwartung.
Bedürfnisse. Schmerzen, Übelkeit, Gereiztheit, Schwindel, Desorientierung, Verwirrung, Hunger, Durst, Müdigkeit, Nervösität, Dumpfheit.
Einlassungen. Begehren, Aufbegehren.

Damit wären sowohl die Gefühle nach den wichtigsten Kriterien geordnet und damit prinzipiell verstanden, als auch die Natur des Willens zusätzlich erhellt. Genauere Betrachtungen, insbesondere im Bereich der Stimmungen, bleiben aber weiterhin möglich und wohl auch ratsam. Nichtsdestotrotz, für dieses Mal reicht's.

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7. Dezember 2017

Concerning Jerusalem

In 1803 Nathaniel Conklin, friend of historian Silas Wood, decided to call his property in South Huntington New Babylon, thus writing the latter on the forehead of the Great City.

In 2003 president George W. Bush decided to hand over political control of Iraq to the Shiite majority, thus preparing the way for the Kings of the East.

In 2017 president Donald J. Trump determined that it is now the right time to recognise Jerusalem as the capital of Israel, thus making sure that U.S. security personal will henceforth tread the Holy City under foot.

By the way, there is a horrific translation error in Revelation 11:1. King James' version says:
And there was given me a reed like unto a rod: and the angel stood, saying, Rise, and measure the temple of God, and the altar, and them that worship therein.
In truth however Revelation 11:1 reads:
Καὶ ἐδόθη μοι κάλαμος ὅμοιος ῥάβδῳ, λέγων, Ἔγειρε καὶ μέτρησον τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ καὶ τὸ θυσιαστήριον καὶ τοὺς προσκυνοῦντας ἐν αὐτῷ.
and γειρε doesn't mean rise, it means raise:
Raise and measure the temple of God, and the altar, and them that worship therein.
and likewise Revelation 11:2 doesn't read:
But the court which is without the temple leave out, and measure it not; for it is given unto the Gentiles: and the holy city shall they tread under foot forty and two months.
but:
καὶ τὴν αὐλὴν τὴν ἔξωθεν τοῦ ναοῦ ἔκβαλε ἔξωθεν καὶ μὴ αὐτὴν μετρήσῃς, ὅτι ἐδόθη τοῖς ἔθνεσιν, καὶ τὴν πόλιν τὴν ἁγίαν πατήσουσιν μῆνας τεσσεράκοντα [καὶ] δύο.
which translates as:
But the court from the outward of the temple cast out and not ever measure the same, for it is given unto the Gentiles: and the holy city shall they tread under foot forty and two months.
The statement then is clear enough: not those will be risen who wail at the wall, but those who pray in the temple, which obviously leads to the rebuilding issue, but that whole issue is answered by the message of the verse:
Seek the divine, shun the theatre.
which is the only way to raise God's temple.

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6. Dezember 2017

Verantwortung vor der Zeit

Verantwortung ist keine Frage von Zuständigkeit, sondern eine Frage von Möglichkeit und Angelegenheit.

Wenn zum Beispiel ein Jäger auf nächtlicher Jagd einen feindlichen Trupp in Richtung seines eigenen Dorfes marschieren sieht, so liegt die Verantwortung für das Leben seiner Mitbewohner womöglich allein in seinen Händen: Nur er wird sich womöglich jemals fragen, warum er sich so entschieden hat, wie er sich entschieden hat.

Das Interessante an einer Versammlung freier Menschen ist, wie sie im allgemeinen Austeilen lernen, sich auf das ihre zurückzuziehen, und insbesondere gilt das auch für das Gebet: Der Grund, warum man nur selten Wunder sieht, ist, daß Wunder insgesamt gesehen beschwerlich werden.

Wenn ich nun wüßte, wie sich die Zeiten formten, wie sich die Seelen ausrichteten, gleich Spänen im Magnetfeld, und mir die Menschen angelegen wären, dann wäre es womöglich ganz alleine meine Verantwortung, sie zu retten, wenn sie dereinst an das Ende ihrer Polung gekommen sein würden.

Alles, was ich zu tun bräuchte, wäre, in einem Buche weiterzuleben, alle Wahrnehmungen, welche mich bestimmten, zu vermitteln, und wer es läse, gliche sich mir durch die zunehmend geteilten Wahrnehmungen zunächst an, und schließlich erkennte er mich.

Und genau das wurde auch getan.

Eine der aus meiner Perspektive komischsten Erscheinungen der Gegenwart ist die unreflektierte Annahme, daß die bestehenden Verhältnisse im Großen und Ganzen fortbestehen würden, also daß sich Änderungen als Ergänzungen vollzögen. Daß der Mensch frei ist und in Freiheit bestehen kann und aus dieser Freiheit heraus seine Belange von Grund auf neu ordnen kann, liegt jenseits der Vorstellungskraft der Meisten.

Nochmal, was ist Eudaimonie?

Der Junge atmet den Duft der Welt, der Alte seine Überzeugungen.

Wollt ihr denn wirklich wie King Lear enden? Von jäh aufsteigenden Fetzen der alltäglich wiedergekäuten Meinungen beherrscht?

Denn genau das blüht euch. Pythagoras empfahl, sich jeden Abend die Erfolge und Verfehlungen des Tages vor Augen zu führen, und sich das Rechte klar zu machen, um selbst klar wie ein Stern am Firmament zu werden. Ich halte nichts von Selbstgestaltung, die Ahnung führt einen weiter als der Plan. Aber mit der Zeit wird auch der Geschmeidigste starr, und bis dahin sollte er hinreichende Klarheit erreicht haben.

Die Griechen fragten sich nach dem höchsten Gut dabei. Das höchste Gut dabei ist, daß man als also erstarrter Greis untadelig ist - der sokratische Standpunkt. Gerade durch die Leichtigkeit, mit welcher man die eigene Starrheit akzeptiert, entkommt man ihr, leben die eigenen Überzeugungen fort.

Aber manchmal gibt es auch etwas zu tun.

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Gier, Obsession, Sucht und Eudaimonie

Ich las mir heute einen älteren Beitrag zur Bedürfniskultur durch, welcher massiv auf meinem ursprünglichen Beitrag zu den menschlichen Gefühlen beruht, welchen ich seinerseits erst im Januar dieses Jahres vollständig korrigiert hatte: Seine Substanz ist gut, aber er ist aufgrund der vorgenommenen Korrekturen im Nachhinein schwer zu lesen, und es scheint mir ratsam, meine gegenwärtige Gliederung der menschlichen Gefühle um einige der Feinheiten zu erweitern, welche ich bereits zuvor herausgearbeitet hatte.

Insbesondere sollte ich im Bezug auf die beurteilenden Gefühle klären, um was es sich bei Gier, Obsession und Sucht handelt.

Die These ist, daß
  • Liebe zu Gier,
  • Wertschätzung zu Obsession und
  • Glück zu Sucht
verkommen kann, wobei Sehnsucht, um dies mit Blick auf den Beitrag zur Bedürfniskultur an dieser Stelle zu klären, eine spezielle Form des Unglücks ist, nämlich sich nicht in die Lage begeben zu können, in welche man sich gerne begäbe, und Wertschätzung und Interesse dasselbe bezeichnen - ja, vielleicht ist Interesse sogar der bessere Begriff, auch wenn das Gegenteil nicht Desinteresse ist, sondern Zuwiderheit (beziehungsweise Aversion, um beim Lateinischen zu bleiben.)

Aber welcher Prozeß liegt hier vor?

Ich sprach im Beitrag zur Bedürfniskultur von Selbstvergessenheit, womit ich eine traumartige Aufhebung des Bewußtseins dessen meinte, was die Zeit uns zu tun gemahnt, also was uns wesentlich ist, beziehungsweise in welche Schicksalsfäden sich unser Leben fügt.

Das geliebte Verhältnis, die geschätzte Möglichkeit und die geglückte Tat verlieren ihren Bezug zu uns, das heißt zu unserem Leben, und werden zu Ersatzhorizonten, das heißt zu Letztbegründungen unseres Trachtens: Wir suchen nicht mehr die Auflösung in der Welt, wie sich das Angelegte zu sich selbst verhält, was wir je erfahren, tun und wollen werden, sondern nur noch einen Modus unserer Existenz - ja, wenn man so will, werden wir seßhaft, nur nicht auf einem Gutshof, sondern auf einer Parkbank.

Als ich noch ein Kind war, empfand ich diese Selbstvergessenheit als eine Dummheit, die Gier dabei, Schmuck in meinen Händen zu halten, oder die Obsession mit einer Rechenaufgabe oder die Sucht nach einem Getränk.

Je älter ich geworden bin, desto bedrohlicher erschien sie mir. Zunehmend erscheint sie wie eine Höhle, welche droht, mich zu verschlingen. Die Angst ist groß, zu träumen und nicht mehr aufzuwachen, obschon sie nicht begründet ist. Es ist, als spürte ich die Gegenwart eines Geistes, welcher aus dem Schlaf seine Kraft bezieht, nicht aus Gier, Obsession oder Sucht, sondern aus Ergebenheit, aus seiner fortgesetzten Beschwörung: ein gewaltiges, selbstverordnetes Verhältnis zwischen allen Dingen, welches eine Brücke zu ihm spannt.

Und doch wach ich ständig wieder auf. Im Schlafe muß es werden, und am Tage wird es. Und mein Ich wird dabei zunehmend seiner Stellung unsicher.

Eudaimonie ist es wohl. Und das and're? Die Herrschaft einzelner Dämonen? Und das Seelenheil eine Frage der Verwebung? Weil im Alter die Schläfrigkeit Überhand nimmt? Die Vorstellung, man könne mit geschlossenen Augen sehen?

Es ist wohl so. Aber warum soll der Absterbende auch nicht mit geschlossenen Augen das sehen, worauf er sich verwendet hat: das Sinnbild seines Trachtens, den Herren, welcher über die Lebenszeiten hinaus ihm seine Aufgabe zugeteilt hat. Meiner ist barsch, ganz selbst mit einer Aufgabe befaßt, massig und hochgewachsen, noch im schlohweißen, langhaarigen und -bärtigen Alter.

Wenn wir das Jenseits verstünden, könnten wir wohl gar unser Sein aus ihm heraus im Diesseits vorbereiten... mag sein, daß dies auch schon geschah: Wenn ich Die Welt als Wille und Vorstellung lese, tritt Schopenhauers Geist vor mich, nur daß dies für zwei (mehr oder weniger) Hamburger keine sonderlich interessante Erfahrung ist, wohingegen das Verständnis des Geistes dessen, der das 12. Kapitel der Offenbarung geschrieben hat, die Tür zu etwas anderem öffnet, was in dieser Form heute noch nicht einmal denkbar ist, nämlich die Verantwortungsübernahme über den Tod hinaus.

Post Scriptum vom 10.12.2017. Um die Ordnung der Gefühle auch in diesem Fall zur Geltung zu bringen:
  • Sucht ist ein dem Hunger verwandtes Pseudobedürfnis der Lust,
  • Obsession ist ein dem Ärger verwandtes Pseudobedürfnis der Achtung, und
  • Gier ist ein der Zufriedenheit verwandtes Pseudobedürfnis der Sorge.
In allen Fällen entspringt der Anschein durch die erwähnte Beschneidung des Horizonts in einem Prozeß der Verrenkung. Daß die Ergebenheit hingegen sowohl zur Aufmerksamkeit, als auch zur Einkehr aufruft, ist zweifellos ein gutes Omen.

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5. Dezember 2017

On false prophets

Matthew 24:24 is a puzzling statement.
ἐγερθήσονται γὰρ ψευδόχριστοι καὶ ψευδοπροφῆται, καὶ δώσουσιν σημεῖα μεγάλα καὶ τέρατα ὥστε πλανῆσαι, εἰ δυνατόν, καὶ τοὺς ἐκλεκτούς:

For there shall arise false Christs, and false prophets, and shall shew great signs and wonders; insomuch that, if it were possible, they shall deceive the very elect.
How can one appear to be Christ? For that is what pseudo means. And Christ means anointed. How can one appear to be anointed? One is anointed by other people and the appearance of that is beyond one's influence.

But it gets worse. How can one give great signs and anomalies and only appear to be a prophet?

Now, one way in which that was possible is that the signs only appear to be anomalies, but are, in truth, sophisticated applications of science. And without question that is the case with many signs mentioned in the Revelation. But it is not clear that that is the intended meaning here.

In a situation of crisis, the like of which Matthew describes in the 24th chapter, certainly many proposals to solve it will be made. And we are left to assume that Matthew considers anyone who offers a solution a Pseudochrist.

Then what about the pseudoprophets? Just as in such a situation of crisis there will be many proposed solutions, there'll certainly also be many alleged causes for the crisis, and any proponent of such a cause should then likewise be considered a pseudoprophet by Matthew (or Christ).

But what about the signs?

Are we to assume that these proponents will cause miracles in order to give credence to their hypotheses, whether these be real or trickeries?

No, in the described scenario we are left to assume that these proponents will rather explain occurring anomalies with their hypotheses, that is use those anomalies as reasons, why we should believe in whatever cause it is  that they allege for the crisis.

Using this manner of speaking it would be fair enough to call Steve Bannon a false prophet for he blames all woes of society on parents spoiling their children during the 1950s.

Actually, in this manner of speaking, the expressions pundit and false prophet have become interchangeable, which brings us to the false prophet: Are we to assume that he's a pundit?

Revelation 19:20.
καὶ ἐπιάσθη τὸ θηρίον καὶ μετ' αὐτοῦ ὁ ψευδοπροφήτης ὁ ποιήσας τὰ σημεῖα ἐνώπιον αὐτοῦ, ἐν οἷς ἐπλάνησεν τοὺς λαβόντας τὸ χάραγμα τοῦ θηρίου καὶ τοὺς προσκυνοῦντας τῇ εἰκόνι αὐτοῦ: ζῶντες ἐβλήθησαν οἱ δύο εἰς τὴν λίμνην τοῦ πυρὸς τῆς καιομένης ἐν θείῳ.

And the beast was taken, and with him the false prophet that wrought miracles before him, with which he deceived them that had received the mark of the beast, and them that worshipped his image. These both were cast alive into a lake of fire burning with brimstone.
I think we should pay heed to the difference in language.
  1. The false prophets give signs, the false prophet makes signs (lost in translation).
  2. The false prophet does not make anomalies though.
So I think that the false prophet must be an agent or an agency which creates the headlines on which the beast will ride to power.

And with that it remains possible, as I've said before, that the false prophet and the second beast are one and the same, namely television, which links up the two instances of deception neatly, but at the same time another possibility emerges from the shadows.

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3. Dezember 2017

Pfade des I Chings und Persönlichkeiten

Es geht mir wieder besser. Hoffentlich bleibt es auch so. Ich könnte etwas über die Bestimmtheit des Menschen durch seinen Magen schreiben, etwa in der Art Schopenhauers, daß Glück eine gute Verdauung sei und der Rest des Menschens ein Anhang des Magens. Immerhin ist es aber möglich, sich auf das gutmütige Magengefühl zu konzentrieren und so das mit Galleausschüttungen verbundene erzürnte Magengefühl zu vertreiben, etwa so, wie man beim Tauchen auch die Panik, keine Luft mehr zu kriegen, vertreiben kann.

Nun denn, wie auch immer. Es stellt sich natürlich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen meiner Einteilung der menschlichen Persönlichkeiten durch Geist, geistigen Horizont und Gesinnung und den sechs seelenteilbezüglichen Pfaden des I Chings gibt, also Berg und See zur Sorge, Abgrund und Feuer zur Achtung und Donner und Wind zur Lust, jeweils das untere Trigramm betreffend.

Nach anfänglichen Zuordnungsschwierigkeiten, welche abstrakten Erwägungen entspringen, zeigt sich nach dem Blick auf die konkreten Beispiele recht bald, daß der geistige Horizont das verbindende Element darstellt, also
  • der körperliche Horizont den Pfaden des Donners und des Windes entspricht,
  • der persönliche und der philosophische Horizont den Pfaden des Abgrunds und des Feuers entsprechen,
  • und der gläubige Horizont den Pfaden des Berges und des Sees entspricht.
Ich hatte das I Ching zu Hitler und Stalin befragt und erhielt beide Male Das Tänzelnde. Die entsprechenden Hexagramme passen auch, nur nicht als Beschreibung des persönlichen Lebenswegs, sondern als Beschreibung ihrer geistigen Entwicklung unter ihrer Herrschaft, also wie die von ihnen Beherrschten auf sie zurückwirkten, ohne daß sie diese Wirkung jemals bewußt gesucht hätten.

Es gibt viele Weisen, einen Orakelspruch mit Wahrheit zu erfüllen, man muß sich vorsehen, nicht die falschen Schlüsse zu ziehen.

Ein grundsätzlicherer Einwand besteht darin, daß sich die geistigen Horizonte im Laufe des Lebens entwickeln und die Pfade des I Chings aus Entwicklungsstufen bestehen.

Dazu ist folgendes zu sagen.
  1. Die folgenschwerste, und späteste (mit ungefähr 24 Jahren), Entwicklung ist die Ausbildung des philosophischen Horizonts, welche indes den höchsten überschauten Seelenteil nicht ändert, gleich ob dieser die Achtung oder die Sorge ist, denn
  2. wie ich auch schon früher sagte, befindet sich der gläubige Horizont, bei jenen, welche ihn einmal erreichen, zuvor in einem dormanten Stadium, welches sich indes bereits in charakteristischen Zeichen zeigt, und
  3. was die Ausbildung des persönlichen Horizonts betrifft, so findet sie bei jenen, welche ihn erreichen, ungefähr mit 12 Jahren statt, und das ist früh genug, um als Anfangspunkt der in den entprechenden Pfaden des I Chings (Abgrund und Feuer) beschriebenen Entwicklungen zu dienen, so daß
  4. selbst wenn ein bestimmter Pfad bereits vor diesem Alter (mit 12 Jahren) bereits das zweite Stadium erreicht haben sollte, es doch später, sagen wir mit 21 Jahren, klar ist, auf welcher Bahn die Entwicklung für das restliche Leben erfolgt.
In etwa jedenfalls. Vorübergehende äußere Beeinflussungen durch gesellschaftlichen Druck oder sogar Traumata sind stets möglich. Aber in der Rückschau auf sein Leben weiß man doch, wie sich Dharma, Karma und Auflagen für einen gestalten, in meinem Fall als Zuflucht, Erdbeben und Insel, mit phantasierenden Brand und Grundfels Beigaben, wobei der Ausbruch des Karmas durch die Anomalie der Zeit bedingt ist.

Das heißt, wenn ich es recht bedenke: Das Karma ist ja das, was man wahrnimmt, wenn man auf die Welt blickt, also das sich manifestierende Schicksal, und dort scheint mir die Erneuerung der Achtung einstweilen vorrangig zu sein, so daß die Bekräftigung der ewigen Wahrheit in den Hintergrund tritt. Es ist wie mit meinen Magenschmerzen, oder denen von Johannes im 10. Kapitel der Offenbarung, welches mit der Beschneidung von SALT (State And Local Tax deductions, ein Vehikel zur Knechtung unterentwickelter Regionen, beziehungsweise der Erhöhung New Yorks) womöglich gerade begonnen hat, ein Angriff auf die geheiligte Substanz, ein Schnitt ins eig'ne Fleisch, aber notwendig, um einer Übereinkunft zu entkommen, welche uns an die Herrschaft der Unvernunft fesselt.

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2. Dezember 2017

Verschreibung im I Ching und Spiritualität

Ich leide zur Zeit an einer schlimmen Gastritis, das gestrige Mittagessen muß schlecht gewesen sein. Wie auch immer, das unangenehme Thema des vorigen Beitrags wählte ich bereits zuvor. Und da es mir nun eh schlecht geht, sollte ich vielleicht die Gelegenheit ergreifen, es noch ein wenig auszuwalzen.

Den reichsten Fundus meiner Bekanntschaft mit meinen Mitmenschen stellt zweifellos meine Studienzeit dar, und mir sind meine damaligen Eindrücke auch frisch im Gedächtnis erhalten geblieben.

Wie gesagt bewegten mich meine Bekanntschaften im Großen und Ganzen nicht, um es sehr vorsichtig auszudrücken. Aber es gab durchaus Unterschiede: Während ich die Entscheidungen mancher als zwar verständlich, aber nicht ratsam betrachtete, waren mir die Entscheidungen anderer gänzlich fremd. Ein genaueres Verständnis dieser Unterschiede hätte ich aber nie gewonnen, wenn das I Ching sie nicht in den unteren acht Trigrammen erklären würde.

Das (deutsche) universitäre Umfeld ist ein pharisäisches Umfeld, das heißt, daß man in ihm die Hexagramme der Herrschaft der Abgemessenheit vorfindet. Um die Herrschaft geht es hier aber nicht, sondern um die Beherrschten.

Als erste Gruppe möchte ich dabei die sich um die Fundamentlegung der Sorge, also um eine neue Richtschnur Bemühenden betrachten. Das untere Trigramm ist bei jenen der See, das obere universitätsbedingt der Wind, das gesamte Hexagramm also Das Angestoßene.

Es handelte sich bei dieser Gruppe um eine Gruppe von Mathematikstudenten, welche Bekanntschaft mit den inneren Strukturen der Fachschaft gemacht hatten und sich dazu entschlossen hatten, sich unterwürfig einzugliedern. Ich verstand ihren Wunsch, sich einzugliedern, aber mir mißfiel die Bereitschaft, mit welcher sie die Initiative über ihre eigene Entwicklung aus der Hand gaben.

Ehrlich gesagt betrachtete ich sie als Schwächlinge. Sie hatten für sich einen Weg ins Heiligtum gewählt, aber als bloße Tempeldiener. In ihnen mochte wohl ein göttlicher Funke stecken, aber sie gaben ihm nicht Gewalt über sich.

Übrigens, auch wenn dies nicht direkt zum Thema gehört, so ist es doch aufgrund seines Auftretens naheliegend, es an dieser Stelle zu behandeln: Nicht wenige Studentinnen bringen es fertig, sich als Personifikation zur Zugehörigkeit zu den inneren Strukturen der Fachschaft zu stilisieren, ganz einfach, weil ihnen die besagte Unterwürfigkeit im Blut liegt und sie auch sonst gerne in den verschiedenen Zusammenkünften gesehen werden, so daß sie in der Folge also einen Teil der Unterwürfigkeit der sich den Strukturen der Fachschaft unterwerfenden Studenten auf ihre Person abzweigen können.

Wie ekelerregend das genau ist, wird durch den Grad der Ausschließlichkeit bestimmt, zu welchem es der betreffenden Studentin um diese Personifikation geht. In der Fachschaft Informatik stieß ich auf ein Exemplar, das genauso gut auf den Strich hätte gehen können.

Indes, um hier keine Verwirrung zu stiften, muß ich betonen, daß der Mangel an Initiative, welchen ich an der genannten Gruppe rügte, ein bloßes Symptom ist, und eine Frau also nicht aus ihrem angeborenen Mangel an derselben heraus zu jener Gruppe gehörte. Es handelt sich bei den Mitgliedern dieser Gruppe um vorsichtige und ungewisse Menschen, welche glauben, durch die Aufgabe ihrer Initiative mehr zu gewinnen als zu verlieren.

Und ich selbst habe mich auch schon freundlicher über sie geäußert (vergleiche Die Schicksalsvorhersage für morgen), da ich glaube, daß sie unter leicht veränderten Bedingungen gewiß würden, und also unter das untere Trigramm Der Berg fielen.

Von dieser Sorte gibt es also einige heutzutage, und auch wenn sie mein Herz einstweilen nicht bewegen, bergen sie doch etwas Potential.

Welche Typen, und insbesondere welche Studenten, gibt es heute noch?

Der zweite Studententypus, welcher mir in den Sinn kommt, ist der Karrierebastler, zu welchem ich ursprünglich auch zählte. Es handelt sich bei ihm um der Schule entwachsene Jugendliche, welche versuchen, sich die Grundlagen zu verschaffen, um sich später in der Welt einzurichten, sich also um die Erneuerung ihrer heimatlichen Verbundenheit bemühen, womit ihr Trigramm Der Wind ist, und ihr vollständiges universitäres Hexagramm Das Durchdrungene.

Ich muß allerdings dazu sagen, daß ich nur deshalb unter diese Klasse fiel, weil ich mich selbst aufgegeben hatte und mit dem Strom schwamm.

Das I Ching spricht von dieser Klasse als einer verwirrten und schließlich im doppelten Sinne enttäuschten, aber das gilt nur für die tatsächliche Herrschaft der Abgemessenheit und nicht für ihre bloße Herrschaft an Universitäten.

Indes, der Teil mit der Verwirrung stimmt. Der Karrierebastler kommt verwirrt an die Universität und die Universität verschlimmert seine Verwirrung. Doch dann macht er ja seinen Abschluß und geht andere Wege. Typisch ist indes ein gewisses Erwachen in dieser Zeit, nämlich das Erwachen zu der Einsicht, daß Wissenschaft gemacht ist, und dem beginnenden Verständnis dessen, wie sie gemacht wird, was ihm immerhin eine gewisse intellektuelle Reife verleiht.

Karrierebastler glauben der Doktrin der notwendigen Modernisierung aller Verhältnisse, welche ihnen von Kindesbeinen an gelehrt wird. Denn so ist es ja: Unsere Kultur verteidigt keineswegs die Werte, auf welche sie sich gründet, sondern vielmehr das Prinzip der Anpassung, was eingedenk der Tatsache, daß die Herrschaft der Unvernunft in Revolutionen voranschreitet, auch vernünftig ist.

Sie sehen sich also in der Pflicht mitzuhalten, welche keinen Raum für prinzipielle Erwägungen läßt. Und letztlich sind alle ihre Werke Schaum.

Wen haben wir noch neben Tempeldienern und Karrierebastlern in meßbarem Umfang an deutschen Universitäten?

Als drittes tritt mir der abgeklärte Typ vor die Augen, welcher genau weiß, was er will; im Normalfall, weil seine Eltern bereits dasselbe studierten.

Sein Trigramm ist der Himmel, und das vollständige universitäre Hexagramm ist das Aufklarende.

Der Text dieses Hexagramms deckt sich nicht ganz mit der universitären Wirklichkeit, und zwar deshalb nicht, weil die Herrschaft der Professoren keine erdrückende ist. Statt arroganter Verachtung findet man an Universitäten milde Herablassung auf Seiten der Abgeklärten. In ihrem Leben mag zwar Platz für Gott sein, aber nur in einer für sie von vornherein feststehenden Beziehung, an deren Definition Gott, jedenfalls soweit sie es selber erfahren haben, keinen Anteil hat. Sie fügen sich also in ihre diesbezüglichen Pflichten und definieren sie nicht aus innerem Antrieb heraus.

Und auch der Typ der Hohlbratze ist wohl in meßbarem Umfang an (deutschen) Universitäten vertreten. Sein Trigramm ist die Erde und sein vollständiges universitäres Hexagramm das Schweifende.

Hier handelt es sich um jene schlichten Studenten, welche jeden professoralen Mist in blindem Glaubenseifer nachahmen. Selbstverständlich finden sich in der Fachschaft Mathematik kaum welche, aber ganz wird auch sie nicht verschont.

Das Hexagramm Das Geduckte beschreibt den erschrockenen Rückzug ins Private, was an der Universität den Studienabbrechern entspricht, über welche ich naturgemäß nicht viel sagen kann.

Bleiben also die drei sich den unterschiedlichen Seelenteilen verschreibenden Hexagramme, welche es an den Universitäten heutzutage eben so gut wie überhaupt nicht gibt.

Das Bedrängte, der Berg im Wind der universitären Lehren, das Zerstreute, das von ihrem Wind über den Abgrund Getragene, also jene Studenten, welche dem Fortschrittsversprechen glauben, und das Beflügelte, die Genies, welche jeder Professor für sich gewinnen will.

Die Studenten der ersten Art taugen zur Übersicht und planmäßigen Erweiterung der Theorie, die der zweiten Art zur Entdeckung neuer Möglichkeiten und die der dritten zur Lösung vorgegebener Probleme.

Das sei aber nur der größeren Klarheit halber gesagt, damit wir wissen, wovon wir reden. Entscheidend für mich ist, daß jene drei an etwas glauben, und zwar genauer gesagt in entsprechender Reihenfolge an die göttliche Ordnung, die göttliche Gunst (Gewogenheit, daß Gott sie bedenkt) und den göttlichen Beistand, worin die Spiritualität der Sorge, Achtung und Lust liegt, also daß wir unserer Seele erlauben, uns zu leiten.

Und solcher gibt es vielleicht Einen unter einer Million.

So steht es. Wenn ich es recht bedenke, habe ich ein absurdes Maß gelitten und mich abgemüht, nach den Maßstäben jener, welche in der Welt nach Beweggründen suchen. Aber hier scheiden sich die Wege eben, faktisch. Der Fakt des Mangels der Verschreibung ist in der Welt, und er wird sie richten.

Ich weiß, welche Menschen vor mir stehen, ich weiß es schon lange. Die Zeit wird kommen, wann sie es sich selbst durch ihre Handlungen bewiesen haben werden. Und wahrscheinlich schon bald.

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30. November 2017

Einer Hoffnung

Verkenne ich meine Mitmenschen?

Ich behaupte ja, daß gerade mal Einer unter einer Million seine bewußte Existenz als Verpflichtung versteht, durch den Einsatz seiner Lebenskräfte dem Ursprung dieser Existenz gerecht zu werden.

Manchmal wandelt so einer auch auf Abwegen, aber die meisten wandeln nicht.

Manche richten sich beleidigt zu Grunde, manche verlegen sich auf das, worin sie Bestätigung von Ihresgleichen erfahren, Ihresgleichen, welche sich wie sie in Gottes Pflicht sehen.

Und manche stellen sich ihrer grundsätzlichen Einsamkeit.

Ich kultiviere ein gutmütig freundliches Verhältnis zu den Menschen: Wenn man sich über den Wuchs einer Pflanze freuen kann, hat man schwerlich eine Ausrede, sich nicht auch über die Entwicklung eines Menschen freuen zu können.

Oder die eines Orang-Utans.

Es ist eines, einen Menschen gelten zu lassen, und ein anderes, von ihm bewegt zu werden.

Doch von welcher Bewegung reden wir?

Wer Verantwortung für andere übernimmt, wer Wohl und Wehe Andrer auf seinen Schultern trägt, den bewegen sie wohl, so wie einen Fallen, welche zuzuschnappen drohen, halt bewegen.

Und wenn sie darüberhinaus jung sind, die anderen, so gesellt sich noch der Trost der Asche hinzu, welche der Wind in die weite Welt hinaus weht.

Wäre ich einer Gruppe von zwanzig Menschen, um ganz geschickt die Zwölf zu umschiffen, wiewohl 12=3*4, 3: Idealität, 4: Natur, 12: in die Natur eingetretene Idealität, in Hoffnung und Pflicht verbunden, so bestimmten sie mein tägliches Trachten gewiß, vorausgesetzt, daß sie sich an einem Ort versammelten, selbst wenn ich selbst an einem anderen Ort verweilte.

Ich bedächte dann in ihrem Auftrag, denn ihre Anliegen wären mir aufgetragen, aber so ist es nicht. Ich bedenke nur in Seinem Auftrag, nur durch Ihn, der das Leben gibt, bin ich in Hoffnung und Pflicht verbunden, nur Sein Wirken bewegt mein Herz zu Hoffnung und Pflicht.

Verkenne ich meine Mitmenschen?

Ich habe mir Charles Manson noch einmal angesehen, kurz nach der Verhaftung, als er noch ein schlichtes X auf der Stirn trug. Ich hatte Recht: Er war vom Stolz gezeichnet, mit der Welt gekämpft zu haben und nicht ohne Taten dazustehen.

Es verhält sich anders mit mir. Die Welt mag auch meinen Ansprüchen nicht genügen, aber zum Kampf gegen sie kann ich niemanden erziehen. Nicht durch meine Mühen, sondern durch das Verhallen meiner Worte kommt das Gericht über die Welt. Und so schreibe ich natürlich auch, ich frage mich, was die Welt zugrunderichtet, und wenn ich mich nicht irre und es sich niemand zu Herzen nimmt, dann richtet es anschließend auch tatsächlich die Welt zu Grunde.

Man könnte von einer theatralischen Selbstinszenierung sprechen. Aber es ist etwas anderes: Die Herrlichkeit Gottes verlangt die Offenlegung des Geschehens. Daß Seine Geschöpfe sich beliebig verstricken lassen, bedeutet nicht, daß Er sich auch nur im Mindesten verstricken läßt. Er weiß. Und in diesem Wissen liegt Hoffnung. Und zu dieser Hoffnung habe ich Zuflucht genommen, einstweilen einsam einer Hoffnung, doch ruhig vor Seiner Majestät.

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29. November 2017

Ein Leben zum verschenken.

Was empfindet der Homosexuelle, wenn er nackt vor dem Spiegel steht?
Nichts ist leichter, um Bedürfnisse zu wecken, als jemanden danach zu fragen, was er sein könnte, denn jeder kann sich vorstellen, mehr zu werden als er gerade darstellt, weshalb die Frage geradezu das Mantra aller Dienstanbieter ist.

Doch wer hört auf sie? Wer ändert seinen Gang und kommt ihr nach?

Hier ist alles aufgegeben, das Ziel von Gott gesetzt, die Welt ein Kasten blasser Farben, damit das Bild zu malen, welches im eig'nen Busen wohnt. Was ich sein könnte? Ein Maler, wenn ich die richt'gen Farben hätt'.

Und dann geh' ich weiter.

Doch wer bleibt steh'n?

Nur der, wer meint, sein Wachstum bedingte nicht seine einstige Form, sondern umgekehrt, seine einstige Form sein Wachstum, sodaß er sie zu erspähen sucht.

Schau' ich voraus, such' ich die Welt hinter dem Nebel der Zeit zu erkennen, nicht mich. Und er, der sein künftiges Selbst zum Fixstern nimmt, er wächst nicht, sondern ringt damit, sein Glück zu zwingen.

Indes, indem er darin verharrt, wächst aus ihm die Gier, und so zeigt sich sein Wesen, ungeachtet seiner Versuche, es einzukleiden.

Fast will es mir scheinen, daß auch dies Spott im Symposion war, daß der vorzüglicher sei, wer das Vorzüglichere vorziehe. Es ist nicht so dick aufgetragen wie der sich schließende Kreis zwischen Staatsmann und Strichjungem, aber die Keckheit der Versicherung entspricht genau der Dreistigkeit des Lebenswandels.

Die Metapher ist stimmig: das lockende Selbst, der dreiste Griff. Schwule, die um die Idee der Männlichkeit buhlen. Menschen, die um die Idee des Menschseins buhlen.

Wenn da mal nicht geben seliger als nehmen ist.

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26. November 2017

Die definierenden Tollheiten der Unvernunft

Ich stellte im vorigen Beitrag eine Verbindung zwischen der Hippie-Bewegung und der Bosheit der Verblendung her, welche ein allgemeineres Charakteristikum der Herrschaft der Unvernunft darstellt, nämlich daß unter ihr moralischen Defiziten, welche aus Schwäche oder Bosheit entspringen, der Hof gemacht wird, und zwar indem gewisse zur Entwicklung der Seelenteile gehörige Triebe bis zum Grade der Tollheit verfolgt werden.

Auf diese Weise erhalten wir also die vier Tollheiten, welche die Herrschaft der Unvernunft auch definieren. Im Einzelnen sind es
  • die Einstimmungstollheit,
  • die Gelehrigkeitstollheit,
  • die Führungstollheit und
  • die Bedeutungstollheit.
Einstimmung ist der notwendige Prozeß der willkürlichen Annahme einer Haltung, durch welchen wir sukzessive zu einer Übereinstimmung unserer Haltung mit unserer Sorge kommen, und zwar dadurch, daß wir all das verwerfen, was unsere Stimmung trübt. Tollheit hier bedeutet, ein zu großes Netz auszuwerfen, und mehr Gewicht auf die erfahrbaren Stimmungen zu legen, als auf die bewahrbaren, also die Tatsache zu verleugnen, daß sich der Friede wie das Gold im Sand in der Ruhe nach dem Trubel von den Wirren auf der Pfanne des Gemüts absetzt. Und wer also danach trachtet zu erfahren, was ein Mensch nur erfahren kann, der ist einstimmungstoll, wie eben die Hippies.

Gelehrigkeit brauche ich wohl nicht eigens zu erklären, nur den Grad ihrer Tollheit, welcher darin besteht, Dinge erklärt wollen zu bekommen, an deren Klärung man keinerlei praktisches Interesse hat. Und wer also Wissen im luftleeren Raum ins Felde führt, der ist gelehrigkeitstoll und hofiert die Irreleitung.

Der Führungstrieb besteht darin, sich an die Spitze eines Unternehmens zu setzen, um sich in ihm zu beweisen. Er gehört zur Entwicklung der Achtung, indem er den nötigen Hintergrund für die eigene Entscheidungsfähigkeit bereitstellt. Der Grad seiner Tollheit besteht darin, sich in unumkehrbare Abenteuer zu stürzen, auf deren Ausgang man kaum Einfluß nimmt, wonach man sich also als führungstoll erweist, wenn es einem wichtiger ist, auf dem Bug zu stehen, als das Schiff zu steuern, und wer sich so vordrängt, wird selbstverständlich leichtestens reingeritten.

Der Bedeutungstrieb schließlich ist hier so zu verstehen, die eigenen Anlagen nicht zu verachten, sondern sie vielmehr dadurch, daß man sie für bedeutend hält, auch bedeutend zu machen. Mit anderen Worten geht es darum, sich durch sein eigenes Ausleben eine Bedeutung zu geben, was nichts anderes heißt, als seiner Lust zu erlauben, sich auszubilden. Der Grad der Tollheit ist dabei erreicht, wenn jede Eigenheit für einen Vorzug gehalten wird, und wer sich also über alle Maßen selbst gefällt, der ist bedeutungstoll und neigt sich der Verhetzung.

Beispiele für all dies unter den Heutigen zu finden, ist ein gar leichtes Unterfangen, worin die Schwellung der Unvernunft eben besteht.

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22. November 2017

Manson (1973)

The beauty of the ignorant.
I had seen Charles Manson's interviews in jail and got away with the impression that Manson simply didn't give a fuck, considering life a win some, lose some affair, and on a very basic level and in a very general sense that might be the truth, but having seen Hendrickson's documentary now, I feel that I should reconsider his case in more detail.

I've repeatedly written about the four types of evil that have the potential for social growth, namely the moulding of the three parts of the soul by alienating (Lust), suppressing criticism (heed) and confusing (care), and the abuse of choice through arbitrariness; for the first time in a systematic way on the 21st of July 2012: Moralische Defizite aus Schwäche oder Bosheit.

It's patently obvious which of these four evils was the evil of Manson's Family, namely arbitrariness, the arbitrary setting of right and wrong, valuable and worthless, following of course a deeper current of opportunism.

Manson's followers all lacked judgment and it's written in their faces. After being treated to sex and drugs they started to live in fragments of Manson's mind, fading out all parts of reality that weren't bathed in the brightness of his cynical assertions.

And that they were. Manson had picked up Hippie phrases and gave them a spin suited to the situations of his life, not unlike many a cantankerous old man of his time. The difference being of course that Manson had decided at some point that he would be doing a respectable work in the eyes of the Lord, if he took the flotsam of society, with which the Hippie movement supplied him so amply, and shaped it into a family of lawless predators, feeding on the American society.

It is not more than the pursuit of a personal vendetta, mocking both the experiences of his own life and the institutions and currents of the United States. He turned to arbitrariness, because he found it easy with many, probably finding many of the opinions of his time to be extremely arbitrary, thinking he could do at least as well.

He probably did believe that crime thrives in the American system, and he had certainly been in jail long enough to figure himself an expert on the matter, only that he refused to let himself be depressed by it and instead chose to take it as an invitation to a game that he would play with a team of supporting players, who would share his belief in self-righteousness in a system of injustice: If you can't establish moral rules, I'll just make my own.

A heartless man. Scary is the flotsam, whose ignorance allowed it to feel itself fulfilled.

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Deutsche Meinungsarithmetik

Es wird ja oft auf der politischen Unreife der Deutschen herumgehackt, und auch wenn ich in der Sache wenig außer einem durchaus, zumindest im Prinzip, gesunden Hang zur Stabilität einzuwenden habe, mag ich mich doch nicht allzu oft daran beteiligen, da ein volkstümlich gespaltenes Land nunmal die Bürde der Einhaltung der diplomatischen Formen zu tragen hat.

Aber was die Basler Zeitung hier veröffentlich hat, ist so vorlesungstauglich, daß ich es nicht unkommentiert lassen möchte.

Betrachten wir zunächst einmal den Ausgang der letzten Bundestagswahl.
  • CDU/CSU 32,9%
  • SPD 20,5%
  • AfD 12,6%
  • FDP 10,7%
  • Linke 9,2%
  • Grüne 8,9%
Lager.
  • GroKo 53,4%
  • Jamaika 52,5%
Laut der Basler Zeitung sprechen sich also 53% der Deutschen gegen den Abbruch der Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung seitens der FDP aus. Und 64% der Deutschen hätten gerne eine Jamaika-Koalition gesehen.

Erste Frage. Um welche 11% handelt es sich, welche die Jamaika-Koalition gerne gesehen hätten, sich aber nicht gegen den Abbruch der Sondierungsgespräche zur Bildung derselben ausgesprochen haben?

Vermutung. Um die Wähler der FDP.

Zweite Frage. Welche 11%, welche Jamaika nicht gewählt haben, haben sich dennoch gegen den Abbruch der Sondierungsgespräche ausgesprochen?

Vermutung. Wähler der SPD.

Betrachten wir dazu, daß sich lediglich 27% eine Große Koalition wünschen, wiewohl 53,4% ihre Stimme für die drei Parteien abgegeben haben, welche immernoch als Große Koalition regieren, mit anderen Worten also lediglich jeder zweite dieser Wählerschaft eine Fortführung der bestehenden Verhältnisse wünscht. Wäre dieser Ermüdungsgrad unabhängig von den beteiligten Parteien, so ergäbe er für die SPD 10% Wähler, welche konsequenterweise gegen den Abbruch der Sondierungsgespräche votiert haben müßten.

Außerdem wissen wir, daß sich die Wähler der AfD keine Jamaika-Koalition wünschen, und auch bei den Wählern der Linken vermute ich keine große Sehnsucht nach derselben.

Betrachten wir abschließend die 21%, welche sich über das Scheitern von Jamaika freuen, so finden wir eine gute Übereinstimmung mit den Wählern der AfD zuzüglich der anderen 10% SPD-Wähler vor, womit die vorgenommene Aufschlüsselung wohl hinreichend plausibel gemacht sein dürfte.

Neuwahlen ergäben laut Basler Zeitung das folgende Ergebnis.
  • CDU/CSU 31%
  • SPD 21%
  • AfD 12%
  • Grüne 12%
  • FDP 10%
  • Linke 9%
Lager.
  • Jamaika 53%
  • GroKo 52%
Wie man sieht, brächten Neuwahlen den Vorzug der deutschen Wähler für die Jamaika- gegenüber der Großen Koalition zum Ausdruck. Und Neuwahlen genießen immerhin 45% Rückhalt bei den Wählern, gegenüber den 27%, welche sich eine Große Koalition wünschen, und den 24%, unter ihnen wohl die Wähler der Linken, welche für eine Minderheitsregierung votierten.

Aber die Situation änderte das nicht. Wählerwanderung gäbe es ja nur im meßbaren Maße von der CDU/CSU zu den Grünen, um der FDP gewissermaßen klarzumachen, was sie zu tun habe, indem sich das Jamaika-Modell vor die Große Koalition setzte. Doch inwieweit würde das die FDP zur Beteiligung an einer Koalition motivieren, welche ihr ihre Wähler nicht verziehen?

Was wir hier also haben ist folgendes: Die deutschen Wähler wünschen sich mehrheitlich von anderen deutschen Wählern, daß sie andere Positionen verträten, und sie hoffen in signifikantem Maße darauf, daß sich ein solcher Gesinnungswandel in Neuwahlen manifestierte.

Ersteres ist Kollektivismus und letzteres Wunschdenken.

Ich vermute, daß sich nach der bevorstehenden Ernüchterung doch wieder eine Große Koalition bildet - ist sie doch das natürliche Abbild des im Volke grassierenden Kollektivismusses im Parlament.

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19. November 2017

The banality of changing consciousness

I was looking at historical pictures of New York. It's interesting: By 1870 New York was still an average European style town, not unlike Paris or Berlin, and its churches were, aside the Brooklyn Bridge that was built just then, its highest buildings.

Soon after however single parties, banks mostly, raised their buildings above the sea of bricks, so as to let them shine in style and splendour, not so much messengers of the future as modernisers of a Rococo past.

Yet, there was no plan. People were supposed to bow to the taste or power of anyone, who proved that he could think of bigger things than 5 story buildings, but instead they decided to put some extra stories on their buildings as well; and New York drowned in a sea of needles.

What did it mean though for the people who witnessed this?

They looked at the skyline and every year they would see another troll who imposed himself on the surrounding buildings, quite literally risen from some picture book. And how could they have not felt an invasion of demented ideas into their world? - until the invasion was over, of course, and the reference for what's normal had been permanently exchanged.

The old normal was a concert, in which everyone contributed his idea of how to fill out an assigned role, and the new normal is a concert, in which everyone seeks the role, in which he can be part of an assigned idea, which begs the question, whether a servant, who has to find a way in which to be useful for his master, is freer than the man, who has inherited the family business.

When I was in Venice, it felt like New York, the same insular topography, the same lack of tides and dykes, the same impeccable façade, the same almost religious appraisal of real estate, which reduces the human mind to a calculator. Yet, in 1870 New York was not like that. It became that through the chaotic projection of greatness initiated by the banks.

How should we call this?

The hypnotising power of a fantasy turned into an edifice?

It's really not the American dream, it's the New Yorker landlord's dream that you make it there and not just anywhere - and it has both trapped renters and inspired landlords all over the world in a global drive towards vulture consciousness.

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17. November 2017

Die Zentralität der Auffassung

Die Begrifflichkeit legt die Welt aus und
erfüllt damit das Wachstumsversprechen
des Begriffs des Heiligen, welcher
am Anfang des Lebens des Geistes steht.

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12. November 2017

Drei Bibelpassagen zu den Kindern des Lichts

Lukas 16:10-12.
Wer im geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist?
Daß die Welt vom Geld regiert wird und dem Wesen der Kinder des Lichts fremd ist, ist keine Entschuldigung für sie, ihren Überzeugungen nicht nachzukommen. Und fürwahr, wie könnten sie je das Ihre erreichen, wenn sie ihre Überzeugungen aufgäben?

Johannes 16:7-11.
Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbe kommt, wird er die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht: um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Welche es nicht sehen, treiben blind im göttlichen Gesetz, welche es schätzen, müssen sich an es halten, weil sie ihre Gegenwart, welche ihnen süßer ist, übermütig verspielen, und wer sich gegen es auflehnt, fällt.

Matthäus 16:11-12.
Wie, versteht ihr denn nicht, daß ich euch nicht sage vom Brot, wenn ich sage: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.
Das Störende zu unterdrücken mag auf den ersten Blick verwandt dazu erscheinen, das Erstrebenswerte zu befördern, aber es entfaltet eine gänzlich andere Dynamik.

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Die Kinder des Lichts

Durch seine Beseeltheit ist dem Menschen die Gänze des Lebens gegeben, wiewohl Gott sorgend darüber wacht, daß dieses Leben sich mit sich selbst vertrage.

Es gibt Menschen, welche vor diesem Wunder stehen und darüber entzücken. Sie sehen das Potential und erwägen es, Gott nachahmend, und suchen im Geiste die Welt, in welche die Liebe Gottes die Hoffenden wohl führen möchte.

Eine jede Fähigkeit, eine jede Einsicht ist ihnen ein Baustein zu einer neuen, wunderbareren Form menschlichen Daseins, und indem sie reifen, bemerken sie die gütige Strömung, welche die Dinge zum Besseren ordnet und sie bemerken auch, wenn jene, welchen das Leben Anderer nichts bedeutet, ihren Fluß zerreißen.

Aber was diese auch tun, sie selbst hängen im selben Netz, und schließlich geraten auch sie in eine Lage, in welcher ihre Handlungen den Kurs nicht mehr stören.

Wer blind gegenüber diesem ist, den bewegt Gott gemäß dem göttlichen Ratschluß, wer es hingegen sieht, spinnt demütig an den Quellen dieses Stroms, im Auge des Wirbels den täglichen Wirren entzogen den Blick auf die fernere Zukunft gerichtet, getragen von der göttlichen Sorge, erhoben von der Dankbarkeit und Anerkennung Seinesgleichen.

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11. November 2017

Volle Ausschüttung und angeordnete Erfahrungen

Wie ich bereits vor 10 Jahren sagte: Entscheidend an der Freiheit des Willens ist nicht seine Unvorhersagbarkeit, sondern daß unser bewußtes Erleben für die Entwicklung unserer Welt zählt, was es beispielsweise nicht täte, wenn es sich bei ihm erstens um ein Phänomen des deterministischen Zusammenspiels von Atomen und Molekülen in unseren Zellen handelte und seine Funktion zweitens einzig in der Abwägung, der so genannten freien Wahl, unserer nächsten Handlung bestünde und diese wiederum entweder in der Steuerung unseres Körpers oder unserer Gedanken zum Zwecke irgendeiner Informationsgewinnung, denn in diesem Falle wären wir offensichtlich unbewußten elektro-mechanischen Rechenwerken hinsichtlich der Entwicklung der uns umgebenden Welt äquivalent.

Eine Weise, sich damit abzufinden, ist die Innerlichkeit, sich also zu denken, daß es nicht auf die eigenen Taten ankäme, sondern einzig auf die eigene Stimmung, auch wenn dieselbe in der Welt keine meßbaren Spuren hinterläßt. Meine Ansicht ist hingegen, daß eine solche Beschaffenheit unserer Existenz ein Kerker und eine Folter für unser Bewußtsein wäre, weshalb ich es eben in den ersten Stunden des 26. Dezembers 2004, Ortszeit, unternahm, aus ihm auszubrechen.

Hinsichtlich der behaupteten wirkmächtigen Äquivalenz zwischen Homo sapiens und elektro-mechanischen Rechenwerken habe ich auf diesem Blog selbst einen bescheidenen Beitrag geleistet, diese im erwähnten Rahmen zu erhärten, indem ich die Umstände und Funktionen unseres Gefühlslebens erörtert habe, sowie Strukturen und Übergänge, in welchen sich unser Denken vollzieht.

Ich bin davon überzeugt, daß diese Äquivalenz, wenn nicht bereits vollständig erwiesen, so doch jedenfalls in kürzester Zeit vollständig erweisen sein wird, und ein Korollar dieses Erweises ist die Ausrottung des Homo sapiens unter den gemachten Annahmen, denn es gibt kein einziges Lebewesen auf diesem Planeten, welches sein Überleben nicht einer partikulären Meisterschaft verdankt, und wenn die Meisterschaft des Homo sapiens einzig in seinem Denken bestehen sollte, so hätte er sie, wenn nicht schon jetzt, so doch in kürzester Kürze eingebüßt.

Frank Herbert mit seinem Butlerian Jihad als Ludditen zu bezeichnen ist so, als würde man jemanden, der zwar bereit ist, sich an ein Feuer zu setzen, aber nicht bereit ist, seine Hände in dasselbe zu halten, als unverständiges Tier bezeichnen, welches eine irrationale Angst vor dem Feuer hat. Das Dumme ist nur, daß wir einen solchen Dschihad nicht gewinnen können, wenn wir den elektro-mechanischen Rechenwerken hinsichtlich unserer physischen Eingetauchtheit in die Welt gleichwertig sind.

Und an dieser Stelle wird es alles ganz einfach, bricht sich der Zorn eines Kindes über seine Lehrer seine Bahn, welche behaupten, daß alle Mitschüler, gleich was für miserable Halunken sie auch sein mögen, dieselben Rechte besäßen, denn das logische Ende dieses Liedes besteht in der Tat darin, daß wir diese Rechte zukünftig auch noch auf Blechhaufen übertragen, und es erfüllt mich mit hämischer Freude, daß Saudi-Arabien dies jüngst, offenbar in geteilter Häme, am Beispiel von Sophia getan hat.

Indes wird ein guter Witz die Welt kaum retten, und neu ist das Sujet natürlich auch nicht, doch zu E.T.A. Hoffmanns Zeiten bestand der Witz noch darin, sich täuschen zu lassen, und nicht darin, sich bewußt auf das Niveau von Maschinen zu begeben.

Der Ursprung der gegenwärtigen Malaise liegt selbstverständlich in der Sorbonne, aber ich möchte dies nicht zu einer historischen Auseinandersetzung mit der Entstehung der modernen wissenschaftlichen Prinzipien verkommen lassen, sondern stattdessen den Blick auf die grundlegende Dichotomie des Glaubens lenken, welche darin besteht, einerseits durch die eigene Beseeltheit zu allen Gaben Gottes zu finden und sich andererseits dem sich entfaltenden Weg zu stellen.

Es ist nämlich so. Indem wir uns darauf besinnen, daß wir verstehen, entscheiden und bewirken, treten Eindrücke vor uns, welche wir bis in die fernsten Winkel weiterverfolgen können. Genau dieser dreifaltige Begriff (unseres zeitlichen Existierens) war im Anfang bei Gott, und Gott wirkte durch ihn.

Insbesondere führt uns der Eindruck des Bewirkens zu der Erkenntnis, daß wir selbst auf das uns Widerfahrende Einfluß nehmen können, also etwa auf unsere Gesundheit oder auch unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze oder Kälte und manches mehr, etwa auch darauf, ob die Sonne durch die Wolken bricht. Indes sieht man hier natürlich schon ein Problem, nämlich daß es nicht unbedingt ratsam ist, wenn hier allzu große Willkür einzieht, und da dies Gaben von Gott sind, sind ihnen selbstverständlich Grenzen der Weisheit gezogen.

Der Eindruck des Entscheidens führt insbesondere zur Erkenntnis der transzendenten Verbundenheit, genauer gesagt zu aktiver und passiver Gedankenübertragung. Und der Eindruck des Verstehens führt insbesondere zur Erkenntnis der Geprägtheit der Menschen durch den schöpferischen göttlichen Geist, also daß sich das göttliche Siegel im Wettstreit der Gedanken durchsetzt.

Genau daraus ergibt sich der Gegenpol zur Willkür, jedem ist alles in die Hand gegeben, aber zugleich thront über allem die göttliche Sorge, welche Engel unterhält, auch noch die Nöte der Kleinsten anzuhören, und unter ihrer selektierenden Obhut wachsen die Geschöpfe Gottes heran.

Konkret war mir immer bewußt gewesen, daß sich das Internet durchsetzen würde, um den Informationsaustausch zu revolutionieren, ebenso wie mir bereits zuvor bewußt gewesen war, daß sich Heimcomputer durchsetzen würden, um die Gestaltungsmöglichkeiten Einzelner zu revolutionieren, und ich spürte darin auch von Anfang an den göttlichen Willen.

Heute besteht der göttliche Wille darin, die gegenwärtige Sackgasse zu verlassen und zu einer anderen Auffassung unserer Existenz zu gelangen, und da der Mensch träge ist, wird es nicht sanft zugehen.

Ich weiß, daß sich Teile der Offenbarung erfüllt haben und andere sich noch erfüllen müssen. Es braucht einen gläubigen Menschen nicht zu erschrecken, daß Gott von Anfang an Stufen hingestellt hat, welche wir gegen das Ende hin erklimmen müssen, und es ist, intellektuell gesehen, auch noch nicht einmal überraschend, denn es ist doch oftmals so, daß man, wenn man eine Unternehmung anfängt, schon weiß, worin ihre letzten Schritte bestehen werden, während man die Schritte zwischen ihrem Anfang und Ende noch nicht kennt.

Und welche Unternehmung wurde vor 2000 Jahren begonnen? Doch gerade die, dem Menschen die Macht über die Welt in die Hand zu geben. Und wie mußte sie enden? In obszönen Anmaßungen. Das braucht nun wirklich niemanden zu wundern. Und doch lag in diesem Durchlauf ein Sinn, die offenbarten Stufen stehen schließlich vor uns, uns weiterzuführen.

Post Scriptum vom selben Tag.
Dies waren 10 Jahre Philosophie auf bereitschaftsfront.blogspot.com. Heute Abend vor 10 Jahren begann ich dieses Unternehmen. Meine Frau ist vielleicht verständlicherweiser sauer, daß sich mittlerweile 1851 Beiträge auf diesem Blog angesammelt haben, aber wenn ich so auf Professorenkinder schaue, ist diese familiäre Mißachtung vielleicht auch ein Segen.
Post Post Scriptum vom selben Tag.
Ich sehe gerade, daß 1851 die Schleswig-Holsteinische Erhebung zu Ende ging. Wollen wir das mal nicht hoffen. In jedem Fall dauerte jene nur 3 Jahre, auch wenn Holstein erst nach 4 Jahren wieder unter dänische Herrschaft kam, ein Dritteljahr nach dem Ende der Zweiten Französischen Republik.

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9. November 2017

Verfolgung und Beachtung in der Vernunft

Unser Verstand entspinnt sich über unserer Anschauung, und unsere Vernunft besteht darin, daß die Begriffe, aus welchen unser Verstand besteht, selbst wieder zu Gegenständen unserer Anschauung werden, über welchen sich die logischen Begriffe entspinnen, also daß Gegenstand A zu Gegenstand B im Verhältnis C steht und derlei mehr, wobei in diesem Beispiel A, B und C allesamt logische Gegenstände sind.

Mit anderen Worten ist unsere Vernunft keine dritte Schicht über den Schichten der Anschauung und des Verstandes, sondern vielmehr die Anwendung dieser Schichten auf sich selbst zuzüglich des dazu nötigen Begriffsinventars.

Dies hindert indes nicht, die Seele in drei Teile zu zerlegen, Lust-Anschauung, Achtung-Verstand und Sorge-Vernunft, da der Grad der Reflexion psychisch gesehen irrelevant ist und sich Sorge-Vernunft hinsichtlich der Ich-Trinität aus Wahrnehmung, Handlung und Willen als den anderen beiden Seelenteilen analog erweist, das heißt wie sie über ein eigenes derartig gegliedertes Ich verfügt.

Andererseits müssen wir die Sorge aber bei genaueren technischen Untersuchungen unseres Geistes als das betrachten, was sie technisch gesehen ist, nämlich als die höheren Iterationsstufen von Anschauung und Verstand, und genau das tun wir an dieser Stelle.

Genauer gesagt geht es um die Frage, wie wir uns besinnen können.

Üblicherweise beruht Besinnung auf der Einlösung eines Begriffs, beispielsweise des gestern Mittag Gegessenen oder dreier äquidistanter Punkte in einer Ebene, wobei die Augen bei ersterer für einen Augenblick nach links und bei letzterer für einen ebensolchen nach rechts huschen, also dabei sich zu entsinnen oder sich etwas vorzustellen, und bei der Besinnung auf ein Gegenwärtiges, etwa die nächste Steckdose, zucken sie selbstverständlich im Raum herum bis sie schließlich auf dieses gerichtet sind, aber dieses Beachten der begrifflichen Vorgabe ist nicht die einzige Art sich zu besinnen.

Etwas zu erwarten bedeutet in seiner einfachsten Form zu glauben, daß da etwas ist.

Das da ist dabei ein beliebiger Gegenstand, zu welchem sich der Eindruck der Erwartung gesellt hat, und die erste Frage lautet, welcher Eindruck sich in ihm anbahnt, denn so ist es mit den Eindrücken der Erwartung, daß sie zerfallen in das Erwarten und das Erwartete, diese Teile indes zunächst unerkannt bleiben.

Wir fragen uns da also, was etwas sei, nicht vom Begriff, sondern von seinem Gegenstand ausgehend, bei der Erwartung konkret vom Teileindruck eines Begriffs, nach dessen Namen wir suchen, so wie wir es auch tun, wenn uns etwas auf der Zunge liegt.

Ein anderes Beispiel wird durch das I Ching gegeben. Da erwartete ich auch, daß da etwas ist. Ich schob es wiederholt auf, mich ihm zu nähern, aber schließlich ergriff ich die einzelnen Hexagramme und sah sie darauf an, was sie seien, denn nachdem ich unverhofft in einem etwas gefunden hatte, was ich dort nicht vermutete, nämlich eine korrekte Beschreibung der Stationen meines Lebens, ergriff mich die Erwartung, daß sich alle Hexagramme so verstehen ließen, und indem ich mich fragte, welche Stationen es jeweils seien, dabei sukzessive Rahmenbedingungen hinzufügend, gelangte ich schließlich zur vorliegenden Auffassung.

Entscheidend war bei dieser Entschlüsselungsarbeit aber nie der Text, sondern das Gefühl nach den ersten drei Zeilen etwas verstanden zu haben, denn in ihm lag der Eindruck, dessen Namen es zu erraten galt, und indem ich dies 64 Mal wiederholte, die ersten drei Zeilen lesen, hoffen, etwas zu verstehen, und mir dann darüber klar zu werden, was ich verstanden hatte, legte ich die empirische Grundlage für die Eindrücke des intellektuell Erreichbaren, also zu wissen, daß man etwas weiß, aber einstweilen noch nicht zu wissen, was man weiß.

Und indem wir uns also auf Nam' und Art besinnen, oder nach Platon, siebter Brief, auf Namen, Erklärung, Abbildung und Einsichten, welche sich mit dem Eindruck des vorliegenden Begriffs verbinden (wie Schleiermacher darauf kommt, daß das Umgrenzende allerwärts von der Mitte gleichweit absteht ein Begriff sei* und nicht etwa eine Erklärung oder Definition ist mir schleierhaft), wobei sich freilich nicht alle Begriffe abbilden lassen, verfolgen wir das, dessen Erreichbarkeit unsere Anschauung vor unsere Vernunft gestellt hat, in technisch gesehen lüsterner Sorge.

*im Original freilich λόγος, was auch ich als Begriff zu übersetzen pflege, doch im Neuen Testament und nicht bei Platon. Es spricht nichts dagegen, daß sich der Gebrauch des Wortes in ca. 400 Jahren leicht verschoben hat, und es ist eine leichte Verschiebung von der formalen Erfassung eines Begriffs durch seine Definition hin zu seinem Eindruck, ja, eine so leichte Verschiebung, daß sie unter Zeitgenossen wahrscheinlich ist.

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